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Sexarbeit in Zeiten von COVID-19 – Rotlicht bald abgeschafft?

Sexarbeit in Zeiten von COVID-19 – Rotlicht bald abgeschafft?

Sexarbeit ist in Zeiten von COVID-19 ein besonders schwieriges Geschäft. Schon seit langem sind Prostitution und Sexarbeit im Allgemeinen aufgrund der naturgemäß sehr körpernahen Tätigkeit und dem damit verbundenen Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus behördlich untersagt. Eine schwierige Situation für die vielen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, die ihren Lebensunterhalt mit diesem Gewerbe verdienen.

Und da Sexarbeit in Deutschland nach wie vor gesellschaftlich leider immer noch nicht als ganz normaler Job akzeptiert ist, sind besonders die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter schwer von diesem Verbot getroffen. Denn jemand der seinen Lebensunterhalt mit Sex bestreitet, wird es bei seiner Hausbank etwas schwer haben, für die Coronakrise einen Überbrückungskredit zu beantragen. Und die gewährte Soforthilfe ist in vielen Fällen nicht ausreichend oder durch die laufenden Kosten aufgebraucht.

Soll Sexarbeit generell wieder verboten werden?

Von daher ist es verständlich, dass momentan eine rege Diskussion um das Rotlicht-Verbot stattfindet. Von sinnvoll bis hin zu einem generellen Verbot von Sexarbeit, auch nach der Coronakrise, reichen hier die Meinungen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich viele Vermutungen unter diesen Meinungen befinden, die in diesen Maßnahmen gar den Startschuss zu einem generellen Verbot von Sexarbeit sehen.

Das schürt natürlich auch Ängste und so ist es nicht verwunderlich, dass die Diskussionen oft recht hitzig geführt werden und man schnell mit Unterstellungen bei der Hand ist. Zum Thema Sexarbeit gibt es ja von jeher viele ganz unterschiedliche Meinungen. Aber das liegt natürlich auch in der Sache selbst begründet. Und je nach eigener Weltanschauung und Toleranz sind die Fronten halt mehr oder weniger verhärtet.

Gesellschaftliche Anerkennung von Sexarbeit

Dies hart natürlich auch mit der gesellschaftlichen Anerkennung von Sexarbeit zu tun. Rechtlich gesehen müsste Sexarbeit in Deutschland mittlerweile als ganz normaler Job anerkannt werden. Schließlich gelten auch in diesem Job dieselben Pflichten wie in allen anderen Jobs. Und das wiederum bedeutet, dass eigentlich auch dieselben Rechte gelten müssten. Dennoch wird es einem Sexarbeiter relativ schwer fallen bei seiner Hausbank einen Überbrückungskredit für die Coronazeit zu bekommen.

Darüber hinaus geht es natürlich auch um das Bild von Sexarbeit in den Köpfen der Menschen. Gerade hier sind die Probleme eigentlich am größten. Bei der Prostitution, dem immer wieder gerne so genanntem „ältesten Gewerbe der Welt“, war dies ja auch schon immer so. Und die meisten Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter können damit ganz gut leben. Aber eigentlich müsste sich dieses Bild in den Köpfen der Menschen wandeln, um gesellschaftlich eine höhere Anerkennung zu erhalten.

Sexarbeit ist ein wichtiges Element im gesellschaftlichen Zusammenleben

Schließlich ist die Sexarbeit ein wichtiges Element des gesellschaftlichen Zusammenlebens und übernimmt eine ganz wichtige Funktion. Man stelle sich nur vor was wäre, wenn man eben nicht mehr bei Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern seine Bedürfnisse befriedigen könnte. Der Verzicht würde uns nicht nur allen schmerzlich bewusst machen, wie wichtig die Sexarbeit gesellschaftlich ist, sondern sicher auch den ein oder anderen negativen Effekt nach sich ziehen.

Und last not least ist die Sexarbeit natürlich auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der eine Menge Steuergelder in den Staatshaushalt spült. Auf von diesen Steuergeldern werden Schulen finanziert, Straßen gebaut und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten.

Pro und Contra für die Öffnung

Natürlich gibt es immer zwei Seiten zur Öffnung der Sexarbeit, Pro und Contra eben. Und die schwierige Situation vieler Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter spricht eine deutliche Sprache. Hier werden sich viele Probleme noch verschärfen, wenn der Status Quo weiterhin erhalten bleibt. Dementsprechend scheint also eine Veränderung notwendig.

Auf der anderen Seite ist aber auch verständlich, dass es momentan noch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit COVID-19 gibt. Und da wäre es auch wieder im Interesse der Gesundheit der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter die Sexarbeit eben noch nicht wieder zu öffnen.

Aber vielleicht gibt es ja auch noch einen dritten Weg die Probleme in den Griff zu bekommen. Dies könnte zum Beispiel durch gezielte Hilfen für betroffene Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter geschehen. Dies wäre ein machbarer Mittelweg.

Darüber hinaus gibt es auch noch die Auffassung, dass nicht in jedem Bereich der Sexarbeit ein enger Köperkontakt stattfindet. Im Dominastudio gibt es ja auch Spielarten, die mit etwas Abstand und auch mit Maske gespielt werden können. Hier wird dann von vielen über eine schrittweise Öffnung nachgedacht.

Fazit

Auf beiden Seiten der Diskussion gibt es berechtigte Interessen. Das sollten wir im allgemeinen Diskurs nicht vergessen und nach Lösungen suchen, die für alle Beteiligten machbar und vor allem auch hilfreich sind. Es nutzt uns allen nicht, wenn die gesamte Rotlicht-Branche zusammenschrumpft. Ebenso wenig hilft es uns, wenn die zweite Corona-Welle durchschlägt und die Zahl der Neuinfektionen wieder steigt.

Es ist also sehr schwierig zu sagen dies oder jenes sei der richtige Weg. Aber vielleicht bringt es uns alle voran, wenn wir ganz offen und vor allem auch mit Verständnis für die Probleme und Befürchtungen der Gegenseite miteinander sprechen und uns gemeinsam Gedanken machen.

In diesem Sinne freuen wir uns auch auf eine rege Diskussion in unseren Kommentaren.

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