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27 Jahre Mauerfall – So war der Sex hinter der Mauer

27 Jahre Mauerfall – So war der Sex hinter der Mauer

27 Jahre ist es genau heute her, dass die Berliner Mauer fiel. Wohl jeder, der dieses Weltereignis miterlebt hat, wird sich auch heute noch erinnern an die Bilder der feiernden Menschen an und auf der Mauer und an die Mauerspechte, die mit Hammer und Meißel ein kleines Stück nach dem anderen aus der Mauer schlugen.

Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, existieren nur noch einige wenige Teile der Mauer, die als Denkmäler erhalten werden sollen. Die meisten Menschen sind sicherlich froh, dass die Berliner Mauer Geschichte ist und Berlin wieder eine geeinte Stadt sein kann.

Eine Frage, die viele Menschen interessiert, die aber in den aktuellen Gedenkveranstaltungen an den Fall der Mauer keine Rolle spielt, ist die Frage, wie man jenseits der Mauer Sex hatte.

Einerseits hatte man in der ehemaligen DDR ein weitaus geringeres Konsumangebot als in der BRD und Erotikangebote und das Rotlichtmilieu waren in der DDR nicht zugelassen. Andererseits ist immer wieder zu hören, dass die Menschen in Ostdeutschland mehr Spaß beim Sex hatten und auch wesentlich freizügiger waren als ihre Nachbarn im Westen. Was stimmt denn nun, werden sich viele fragen? Wir haben mit Menschen gesprochen, die vor dem Fall der Mauer in Ost-Berlin lebten und konnten sie zu ihren Erinnerungen an den Sex hinter der Mauer befragen.

Sex hinter der Mauer war lockerer

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es in der DDR in Sachen Sex nüchterner und langweiliger zuging als in Westdeutschland. Sex-Shops und Erotikkinos gabe es in der DDR nicht und Prostitution war sogar verboten. Tatsächlich waren die Ostdeutschen hinter der Mauer sexuell aber alles andere als verklemmt oder sexuell zurückhaltender.

Rene (48) erinnert sich an seine Zeit hinter der Mauer und auch danach, als er die erste westdeutsche Frau im Bett hatte: „Als ich zum ersten Mal eine West-Frau in der Kiste hatte, war ich schon verwundert. Die tat so, als müsste sie alles perfekt machen und sie schien auch von mir zu verlangen, dass ich sie durchnehme, wie ein Darsteller aus einem Pornofilm.

Bei uns im Osten war das ganz anders. FKK war gang und gäbe. Nacktheit war deshalb etwas Vertrautes für uns. So gingen wir auch im Bett viel gelassener miteinander um. Da gab es keinen Leistungsdruck, wie ich es später im Westen erlebt habe, sondern wir hatten einfach unseren Spaß.“

Auch Rolf (51), der heute in der Nähe von Stuttgart lebt, erinnert sich, dass der Bettsport hinter der Mauer entspannter war, als später im Westen: „Ich glaube, im Westen war der Einfluss der Kirche und ihrer Wertvorstellungen auf Öffentlichkeit und Medien zu groß. So etwas gab es bei uns zum Glück nicht.

Die Kirchen hatten praktisch nichts zu sagen und dem Staat war es anscheinend ziemlich egal, was die Menschen in ihren Betten veranstalteten. So konnten wir uns beim Sex ausleben wie wir wollten und mussten uns nicht um irgendwelche Meinungen von außen scheren.“

Sex hinter der Mauer war origineller

Dass es in der DDR hinter der Mauer kein so reichhaltiges Angebot an erotischen Produkten und Dienstleistungen gab, mag zunächst als Nachteil wahrgenommen werden. Tatsächlich führte es aber offensichtlich zu einer deutlich höheren Kreativität beim Sex. Gabriele (50) erinnert sich an ihre Zeit hinter der Mauer in Ost-Berlin und auch an die Sommerferien an der Ostsee:

„Es gab ja nichts, woran wir uns orientieren konnten. Im Fernsehen lief kaum etwas für junge Leute. Diskos und Bars wie im Westen waren eher selten und oft auch teuer und auch sonst gab es kaum etwas, was uns in Sachen Sex weitergeholfen hätte. Die meisten gingen zur FDJ, da wurde zwar mehr über Politik geredet, aber untereinander haben wir uns eher über Sex ausgetauscht.

So blieb uns gar nichts anderes übrig. Wir mussten uns irgendwie selbst etwas einfallen lassen, wenn wir Spaß beim Sex haben wollten. So entdeckten wir viele aufregend Stellungen einfach selbst.

Und wenn mal wieder keine Kondome verfügbar waren, habe ich meinen Freunden einen geblasen und dabei auch immer besser herausgefunden, wie man die Männer mit dem Mund am besten verwöhnen kann. Umgekehrt wurden die Männer auch immer erfahrener damit, wie sie richtig fingern oder lecken müssen, damit mir der Sex am besten gefällt.“

Sex hinter der Mauer war freizügiger

Dass die Frauen in der DDR viel freier entscheiden konnten, mit wem sie zusammen sein wollten und mit wem nicht, belegen die hohen Scheidungsquoten in der DDR zum Beispiel in den 1970er-Jahren. Hieraus resultiert, dass auch für Männer eine gewisse Pflicht bestand sich gut um die eigene Frau zu kümmern, unter anderem eben auch im Bett.

Mehrheitlich waren es die Frauen, die die Scheidung einreichten. Ein Grund hierfür war auch, dass fast alle Frauen in der DDR eine Arbeit hatten und ihr eigenes Geld verdienten. Einen Mann als Versorger brauchten die meisten Frauen hinter der Mauer also nicht.

„Ja, so war das damals“ erinnert sich Frauke (49). „Wir Frauen standen auf eigenen Beinen und brauchten nicht unbedingt einen Kerl, der uns ernährt. Wenn dann auch beim Sex nicht mehr viel ging und die Kinder schon selbstständig genug waren, dann suchte man sich eben einen neuen Mann. Und selbst diejenigen Freundinnen von mir, die keine Scheidung wollten, fackelten nicht lange und sind regelmäßig fremdgegangen.“

Die große Freizügigkeit hinter der Mauer bestätigt auch Jochen (55): „Als wir noch jünger waren, da ging es schnell zur Sache. Ob in den Ferien, auf Geburtstags- oder Betriebsfeiern oder bei FDJ-Treffen. Je später es wurde, desto eher wurde man fündig und konnte sich mit einer Frau amüsieren. Dass in den meisten Fällen keine längere Beziehung daraus entstand, war der Normalfall. Auch andere Mütter haben ja schöne Töchter.“

War Sex hinter der Mauer die einzige Freiheit?

Als Erklärung, warum es die Menschen im Osten hinter der Mauer beim Sex derart krachen ließen, wird oft auch angeführt, dass man als DDR-Bürger außer beim Sex keinen wirklich frei gestaltbaren Raum gehabt hätte, was natürlich eine sehr eingeschränkte Sicht ist. Dennoch gibt es aber Stimmen, die genau dieses anführen.

Klaus (59) kann das bestätigen: „Ob in der Schule, in der Ausbildung, bei der NVA oder später im Beruf: Alles war reglementiert. Dazu musste man aufpassen, was man öffentlich sagt oder tut, sonst konnte man sich schnell Ärger einhandeln.

So ein Angebot an Waren oder Gelegenheiten, sich zu amüsieren wie im Westen hatten wir auch nicht. Es ist ja bekannt, wie lange man in der DDR auf eine eigene Wohnung und erst recht ein eigenes Auto warten musste.

Beim Sex war alles anders. Da konnten wir machen, was wir wollten. Und das haben wir natürlich auch voll ausgelebt. Auch die Frauen damals waren beim Sex alles andere als zimperlich und machten viele Dinge mit. Das war einfach eine tolle Zeit. Die DDR vermisse ich heute zwar nicht mehr, aber an das, was ich damals beim Sex alles erlebt hatte, denke ich heute immer wieder gerne zurück.“

Man sieht, dass viele heutige Vorstellungen über die DDR nicht zutreffend sind. Hinter der Mauer gab es keineswegs nur langweiligen Blümchensex, sondern ganz im Gegenteil: Im Osten hat man sich beim Sex mindestens genauso gut amüsiert, wie im Westen, wenn nicht sogar noch besser. Insofern können heute, nachdem es die Mauer nicht mehr gibt, West- und Ostdeutsche beim Thema Sex immer noch einiges voneinander lernen.

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